Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit

Kinderheime in der DDR

Produktion SWR2 - Sendung: 08.01.2009, 22.05 Uhr, SWR2 - 55 Minuten

Ein Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert
Redaktion: Wolfram Wessels
Mit: Ursula Burkowski, Kerstin Kuzia, Kathrin Begoin. Stefan Lauter, Manfred Haertel
Sprecher: Klaus Barner
Ton und Technik: Daniel Sänger, John Krol
Regie: Ulrich Lampen

Manuskript im pdf-Format: [hier]
Sendung anhören: [hier]

Am 3. November 1989 wurde in der DDR der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau aufgelöst. Die Maßnahme erfolgte innerhalb von nur einer Woche. Auslöser war eine geheime telefonische Anweisung aus Margot Honeckers Volksbildungsministerium. Ganz offensichtlich waren sich die dortigen Verantwortlichen sehr wohl darüber bewusst, welches Unrecht jahrelang in ihrem Auftrag geschehen war: In Torgau wurden "erzieherisch wirksam" jene Jugendlichen interniert, die die "sozialistische Lebensweise" störten. An die Stelle von Pädagogik trat in Torgau offene Gewalt.

Der Geschlossene Jugendwerkhof ist ein besonders finsteres Kapitel im Umgang der DDR mit ihren jungen Menschen: Wer nicht ins Bild passte, verschwand in den 32 Jugendwerkhöfen oder wurde in so genannten Spezialheimen verwahrt. Aber auch die Erziehung in den normalen Kinderheimen blieb nicht ohne Folgen. Wer keine Eltern hatte, wurde hier nach dem Vorbild des sowjetischen Pädagogen Makarenko zum sozialistischen Kollektivmenschen "geformt". Viele der betroffenen Kinder und Jugendlichen waren damit für's Leben gezeichnet, weil sie überhaupt nicht auf das Erwachsensein vorbereitet wurden. Wie also gehen ehemalige DDR-Heimkinder mit dem Erlebten und Erduldeten um?
___

Bild oben: Das aufwendig renovierte Gebäude des Jugendwerkhofes Torgau
Foto: © EBS Torgau / Erinnerungs- und Begegnungsstätte im ehemaligen Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau
www.jugendwerkhof-torgau.de