"Ich wollte kein Verräter werden"

Die SED und der Fall Paul Merker

Produktion SWR2 - Sendung: 20.09.2007, 20.05 Uhr, SWR2 - 49 Minuten

Ein Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert
Redaktion: Wolfram Wessels
Mit: Prof. Dr. Mario Keßler
Sprecher: Eva Garg, Heinrich Giskes, Max Ruhbaum, Klaus Spürkel, Andreas Szerda, Hubertus Gertzen, Ronald Spiess
Ton und Technik: Norbert Vossen, Waltraud Gruber
Regie: Günter Maurer

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Im November 1952 inszenieren Prager Stalinisten und ihre sowjetischen Berater ein Verfahren gegen vierzehn tschechische KP-Spitzenfunktionäre. Die meisten von ihnen sind jüdischer Herkunft. Der Schauprozess endet mit elf Todesurteilen.

Gleichzeitig drängt Stalin die DDR zur Durchführung eines ähnlichen Verfahrens. Doch SED-Chef Walter Ulbricht zögert. Er fürchtet, dass ein offen-antisemitischer Schauprozess nach Prager Vorbild seinen politischen Selbstmord bedeuten könnte. Schließlich wird ein Hauptangeklagter nichtjüdischer Herkunft präsentiert. Sein Name: Paul Merker - ein ehemaliges Politbüromitglied und innerparteilicher Rivale Walter Ulbrichts. Merker wird der Agententätigkeit und der Verbreitung zionistischer Auffassungen beschuldigt. Doch die Verhöre im MfS-Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen führen nicht zu den gewünschten Aussagen. Deshalb wird ein Stasi-Spitzel in die Zelle geschleust. Doch Paul Merker ahnt die wahre Identität seines neuen Zellengenossen und gibt sich bedeckt. Ein Versteckspiel beginnt.

Spitzelberichte und Verhörprotokolle blieben erhalten. Sie ermöglichen Einblicke in die Vorbereitungen eines deutschen Schauprozesses, der im letzten Moment verhindert wurde.
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Bild rechts: Paul Merker, geb. 1984 in Oberlößnitz, gest. 13.05.1969 in Berlin
Foto: © www.stiftung-hsh.de / Gedenkstätte Hohenschönhausen
Aus: Kießling W.: "Partner im 'Narrenparadies' - Der Freundeskreis um Noel Field und Paul Merker (1994)