"Der Film ist nihilistisch!"

Fräulein Schmetterling - Geschichte eines Verbots

Produktion SWR2 - Sendung: 05.03.2007, SWR2 - Dschungel - 30 Minuten

Ein Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert
Redaktion: Wolfram Wessels
Sprecher: Sebastian Nakajew, Ursula Renneke, Walter Renneisen, Heinrich Giskes
Ton und Technik: Frank Biller, Karl-Heinz Runde
Regie: Maria Ohmer

Sendung anhören: [hier]

Es war die Geschichte eines jungen Mädchens, das es in der DDR der sechziger Jahre wagte, über seine Zukunft selbst bestimmen zu wollen. Alle bemühten sich, ein ordentliches Mitglied der sozialistischen Gesellschaft aus ihr zu machen. Aber statt Fischverkäuferin oder Schaffnerin zu werden, träumte das Fräulein Schmetterling davon, als Clown die Menschen zu beglücken. Christa und Gerhard Wolf hatten das Drehbuch geschrieben, Kurt Barthel hatte es bereits abgedreht, da kam im Dezember 1965 das 11. Plenum des ZK der SED dazwischen und beendete das kurze Tauwetter in der DDR. Der Film wurde als "zu nihilistisch" verboten. Nach der Wende 1990  tauchte eine Arbeitskopie auf, doch bevor sie öffentlich gezeigt werden konnte, verschwand sie auch schon wieder. Erst 15 Jahre später fand ein Archivar Schnittmaterial des Films, rekonstruierte ihn und so erlebte "Fräulein Schmetterling" 40 Jahre nach seiner Fertigstellung doch noch eine Kinopremiere.
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Bild links: Szenenfoto aus "Fräulein Schmetterling" mit Melania Jakubiskova als Helene Raupe
© Progress Film-Verleih