Schiefe Gedanken von Martiern, Menschen und Ameisen

Die phantastischen Welten des Kurd Laßwitz

Produktion SWR2 - Sendung: 23.03.2006 - 30 Minuten

Ein Hörfunk-Feature von Thomas Gaevert
Redaktion: Wolfram Wessels
Mit: Rudi Schweikert
Sprecher: Maarten Güppertz, Jannek Petri, Sebastian Schwab, Julian Greis, Marius Marx, Reinhart von Stolzmann, Dorothee Stotz, Barbara Stoll, Tobias Gondolf, Taner Sahintürk
Ton und Technik: Karl-Heinz Runde, Birgit Schilling
Regie: Hans-Peter Bögel

Bild rechts: Faksimile der Unterschrift von Kurt Laßwitz / Foto: © gutenberg.spiegel.de

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Für viele heutige Leser gelten Jules Verne und Herbert G. Wells als Väter der modernen Science-Fiction-Literatur. Die Werke des deutschen Autors Kurd Laßwitz sind dagegen weitgehend in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, denn mit seinem Roman "Auf zwei Planeten" beschrieb Kurd Laßwitz bereits ein Jahr vor Herbert G. Wells Roman "Kampf der Welten", wie technisch überlegene Marsbewohner - die sogenannten Martier - in eine Kriegssituation mit den Menschen geraten. Verpackt in eine futuristische Abenteuergeschichte gelang Laßwitz ein brisantes Gleichnis auf Deutschlands beginnendes Großmachtstreben. Der Roman sorgte für Aufsehen, geriet zum Bestseller und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Ein halbes Jahrhundert später ließen die Nazis das Werk auf die Liste der verbotenen Literatur setzen.

Doch Laßwitz war nicht nur Science-Fiction-Autor, sondern zugleich Mathematiker, Physiker, Philosoph, Essayist und Märchenerzähler. Gegen Ende seines Lebens verliebte er sich leidenschaftlich in seine 38 Jahre jüngere Cousine Hanna Brier aus Tilsit. Er widmete ihr nicht nur einige seiner wichtigsten Märchen und Kurzgeschichten, sondern auch seinen letzten phantastischen Roman "Sternentau oder Die Pflanze vom Neptunsmond". Über 160 bisher unveröffentlichte Briefe, zahlreiche Postkarten und ein erhalten gebliebenes Tagebuch erzählen bis heute die Geschichte einer ungewöhnlichen Beziehung zwischen bürgerlicher Realität und phantastischen Traumwelten.

Bild links: Kurd Laßwitz - Pseudonym: Velatus - geb. 20.04.1848 in Breslau, gest. 17.10.1910 in Gotha
Foto: © gutenberg.spiegel.de