Überleben unter dem Hakenkreuz
Die Geschichte der Familie Klimt

Sendetermin: 25.09.2013, 10.05 Uhr, SWR2 Tandem - 25 Minuten

Autor: Thomas Gaevert
Redaktion: Ellinor Krogmann
Regie: Andrea Leclerque

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Elisabeth Klimt, geboren 1924, wächst zusammen mit ihren beiden Schwestern in einer niedersächsischen Gemeinde auf. Delligsen heißt die kleine gutbürgerliche Welt, in der zunächst noch alles überschaubar ist. Ihr Vater Adolf Klimt unterrichtet am hiesigen Gymnasium Mathematik. „Es war 1937“, so erinnert sich Elisabeth Klimt heute, „da kriegte mein Vater plötzlich einen Brief, dass er sich, wenn er noch weiter im Schuldienst bleiben wolle, von seiner jüdischen Frau, unserer Mutter Henny Klimt, geborene Nelke, scheiden lassen müsse.“ Als sich Adolf Klimt weigert, dieser Forderung der Nazis nachzukommen, wird er an eine kleine Mittelschule in Hasselfelde im Harz strafversetzt.

Foto (v.l.n.r.): Elisabeth, Ilse und Annemarie Klimt

 

Im neuen Lehrerkollegium findet Adolf Klimt rasche Anerkennung. Fünf Jahre nach ihrem Machtantritt betrachten die Nazis den Harz noch immer als politisch unzuverlässig. Besonders der Ort Hasselfelde galt bis 1933 als SPD-Hochburg. Doch der Druck und die Verfolgungen sind auch hier spürbar.1938 wird Adolf Klimt endgültig aus dem Schuldienst entlassen und mit Kriegsausbruch in ein Strafbataillon der Wehrmacht eingezogen. Seine Töchter, unter ihnen auch Elisabeth Klimt, besuchen inzwischen ein Gymnasium in Ahlfeld. Der hiesige Direktor hat sich schützend vor die Mädchen gestellt. Nur Ehefrau Henny Klimt bleibt mittellos im Harz zurück. Als Jüdin ist sie sich bewußt, dass sie jeden Tag mit ihrer Deportation rechnen muss. Doch einheimische Familien stellen sich schützend vor sie und versuchen mit allen Mitteln, das Schlimmste zu verhindern.

Elisabeth Klimt sammelte die Aufzeichnungen ihrer Eltern und bewahrt sie noch immer auf. Mittlerweile ist sie fast 90 Jahre alt und wenn sie heute davon erzählt, wie ihre Familie den Naziterror überleben konnte, dann sind es nicht die großen Heldengeschichten, sondern die ganz kleinen Begebenheiten über die alltägliche Zivilcourage ganz normaler Leute, die sich auch in der dunkelsten Zeit der Diktatur ihre Menschlichkeit bewahrt hatten.

Foto: Adolf und Henny Klimt

Fotos privat, mit freundlicher Genehmigung von Elisabeth Brinkmann