Der Fall Bischofferode
Wie die Treuhandanstalt die ostdeutsche Kaliindustrie abwickelte

Sendetermin: 27.11.2013, 22.03 Uhr, SWR2 Feature - 55 Minuten

Autor: Thomas Gaevert
Redaktion: Wolfram Wessels
Sprecher: Volker Risch, Sebastian Schäfer, Michael Speer, Bijan Zamani
Ton und Technik: Burkhard Pitzer-Landeck, Claudia Peyke
Regie: Maria Ohmer

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Juli 1993. Die Berliner Treuhandanstalt hat entschieden, den Volkseigenen Betrieb „Kombinat Kali“ mit dem westlichen Unternehmen „Kali und Salz“ in Kassel zu fusionieren. Dabei sollen die meisten Kalibergwerke im Osten geschlossen werden. Auch der „Thomas-Müntzer-Schacht“ im thüringischen Bischofferode ist mit seinen 650 noch verbliebenen Arbeitsplätzen davon betroffen. Über 80 Jahre lang wurde hier Kalisalz abgebaut, das vor allem nach Westeuropa exportiert wurde. Für die DDR war dies eine wichtige Devisenquelle, für „Kali und Salz“ im Westen dagegen ein unliebsamer Konkurrent.

Die beabsichtigte Schließung nach der Wende läßt nun den Verdacht aufkommen, dass dieser Konkurrent zerschlagen werden soll. Doch die Thüringer Kalikumpel wollen sich diese Entscheidung nicht bieten lassen. Vierzig von ihnen treten spontan in einen Hungerstreik. Es ist das erste Mal, dass sich ostdeutsche Arbeiter gegen die flächendeckende Abwicklung ihrer Arbeitsplätze wehren. Bischofferode ist plötzlich in aller Munde und die weltweite Öffentlichkeit schaut auf einen Arbeitskampf, wie er in Deutschland noch nie geführt wurde.

© Foto : Thomas-Müntzer-Kaliverein e.V.